Rechnungswesen für Anfänger

Wie du richtig investierst

Hallo und willkommen,
zu diesem vorerst finalen Teil der Serie Rechnungswesen für Anfänger. Ich möchte dir hier ein Verständnis dafür vermitteln, wie du Investitionen in dein Unternehmen behandelst, planst und durchführst.
Steigen wir gleich direkt ein.

Teil 6: Investitionen

Was sind Investitionen?

Zuerst muss man zwischen Investitionen und Betriebsmitteln unterscheiden. 

Betriebsmittel sind die Güter, die du für den normalen Betrieb verwendest oder verbrauchst.

Dazu zählt auch unter anderem Werkzeug, wenn du es in einem kurzen Zeitraum nicht länger als ein Jahr verbrauchst.

Investitionen sind Anschaffungen, die du langfristig für deine Stabilität oder dein Wachstum benötigst. Sie sind auf lange Zeiträume über ein Jahr ausgelegt und Teil des Anlage – nicht des Umlaufvermögens. 

Etwa wenn du alte Maschinen austauschst, eine verbesserte Werkstattstruktur zum Zweck der Güterproduktion aufbaust oder neue Lieferwege mit neuen Fahrzeugen bereitstellst.

Es ist also ein strategisches Element, das du für den Erhalt und/oder das Wachstum deines Unternehmens benötigst.

Da der Fokus hier ganz anders liegt als bei normalen Betriebsmitteln, muss man sie gut planen und organisieren. 

Sie werden auch aus Sicht des Finanzamtes anders behandelt.

Welche Investitionen tätigst du?

Kapitalanlagen sind ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie und können verschiedene Formen annehmen:

Sachinvestitionen

Hierzu gehören Anschaffungen von Maschinen oder Werkzeugen, Gebäuden oder anderen materiellen Vermögenswerten.

Finanzinvestitionen

Dies umfasst den Erwerb von Wertpapieren, Beteiligungen an anderen Unternehmen oder Finanzanlagen.

Immaterielle Investitionen

Dazu zählen Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Patente, Lizenzen oder Markenrechte. Software fällt auch in diesen Bereich und andere immaterielle Vermögensgegenstände.

Humankapitalinvestitionen

Hierunter fallen Ausgaben für die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern.

Du siehst, jede Form einer Investition soll immer einen Mehrwert schaffen für dich und dein Unternehmen.

Warum soll ich investieren?

Bei der Entscheidung für Anschaffungen spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:

Rentabilität

Natürlich ist es wichtig, dass dein Nutzen aus der Investition immer am Ende deine Kosten überstiegen hat.

Liquidität

Kannst du dir die Investition leisten? Wie wirken sich die Anschaffungskosten und auch der weitere Betrieb auf dein Sachkapital und auf deine Liquidität aus?

Risiko

Welche Risiken sind mit deiner Investition verbunden? Kannst du sie einschätzen und sind sie tragbar für deine Geschäfte?

Kannst du deine Erträge auch erwirtschaften, wenn deine gewünschten Produktionsmöglichkeiten nicht ganz eintreffen?

In einer Phase des Aufschwungs und der Hochkonjunktur gehen in der Regel die Direktinvestitionen hoch, in anderen Phasen herunter.

Strategische Ausrichtung

Die Investition sollte zur Gesamtstrategie des Unternehmens passen. Welche Ziele hast du? 

Deine Ziele sind natürlich eng mit der Investitionsbereitschaft verbunden, prüfe daher jede Anlageinvestition auf ihre Vorteilhaftigkeit.

Warum sind Investitionen so wichtig?

Wachstum und Belebung der Konjunktur

Investitionen in verbesserte oder neue Anlagen erhöhen die Kapazitäten und die Bandbreite an Fähigkeiten zur Produkterzeugung.

Schaffung von Arbeitsplätzen

Anschaffungen in Unternehmen und Infrastruktur führen oft zur Entstehung neuer Arbeitsplätze, was die Beschäftigungsquote erhöht und die Wirtschaft ankurbelt.

Steigerung der Produktivität

Durch Investitionen in moderne Technologien und Ausrüstung können Unternehmen ihre Effizienz steigern und somit ihre Produktivität erhöhen.

Verbesserung der Lebensqualität

Investitionen in Bereiche wie Bildung, Gesundheitswesen und Umweltschutz tragen zur Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität bei.

Förderung des technologischen Fortschritts. 

Investitionen in Forschung und Entwicklung treiben technologische Innovationen voran, die wiederum neue Märkte und Möglichkeiten eröffnen.

Wie planst du deine Investition?

Bei der Planung deiner Anschaffung musst du vier wichtige Felder bedenken, die neben den reinen Kosten eine Rolle spielen.

Zielsetzung

Was soll mit der Investition erreicht werden? Beispiele für Ziele sind etwa.

Umsatzsteigerung

Durch neue Produkte oder Erschließung neuer Märkte kann sich der Gesamtumsatz erhöhen.

Kostensenkung

Prozesse optimieren und Ausgaben reduzieren, um die Rentabilität zu verbessern.

Qualitätsverbesserung

Die Produktqualität zu steigern, um die Kundenzufriedenheit und -bindung zu erhöhen.

Mitarbeiterzufriedenheit

Arbeitsbedingungen verbessern und Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten.

Wettbewerbsvorteile 

Alleinstellungsmerkmale schaffen und ausbauen.

Budgetierung 

Die Kosten nicht nur für die Anschaffung, sondern auch für den Unterhalt einer Investition sind wichtige Komponenten.

Um diese Budgetierung sinnvoll zu berechnen, hast du schon deine Ziele formuliert.

Cashflow

Der nächste Schritt ist der Bereich Liquidität.

Welche Mittel hast du bereits für Investitionen eingeplant und wie belasten sie deine laufenden Geldflüsse, den sogenannten Cash Flow?

Wenn du dir unter anderem eine neue Maschine anschaffen willst, belastet sie deine Kosten durch den Kaufpreis oder auch durch laufende Leasingraten und Instandhaltungs- und Wartungskosten.

ROI – Return on Investment und Break – Even – Point

Diese Faktoren münden dann in deinen Investitionsplan.

In diesem kannst du den Rahmen komplett überblicken. Beispielsweise wenn du zusätzliche Einnahmen durch die Maschine generierst oder Kosten gesenkt werden, etwa durch geringeren Energieverbrauch.

Wann erreichst du den Punkt, an dem deine Maschine die Investition aufgeholt hat und dir Wachstum verschafft?

Das nennt man den sogenannten Break – Even – Point.

Wenn du dann noch beachtest, welchen Mehrwert dir die neue Anschaffung tatsächlich gebracht hat, spricht man vom sogenannten ROI – Return on Investment.

Damit meint man das Wachstum, das du durch die Anschaffung erzielt hast.

Zeitplanung

Ein wichtiger Punkt im Zusammenhang mit Investments ist in Verbindung mit dem langfristigen Charakter natürlich die Zeitplanung.

Wenn du dir eine Maschine anschaffen, die etwa in 3 Jahren ihren Break-even erreicht, musst du dir klar sein, ob du diesen Zeitrahmen überhaupt so akzeptieren kannst. 

Verlangt die Situation vielleicht eine schnellere Lösung oder werden die Kosten bis dahin für dich zu groß geworden sein.

Der andere Punkt ist der Fortschritt. Maschinen aus unserem Beispiel entwickeln sich immer weiter.

Ist es vielleicht sinnvoll, aufgrund eines kommenden Nachfolgemodells die Investition etwas später zu tätigen, oder nicht?

Szenarioplanung

In dieser Planung ist es immer wichtig, die maximalen und die realistischen Auswirkungen einer Investition zu berücksichtigen.

Also dir anzuschauen, was im besten Fall, im schlechtesten Fall und in deiner Erwartung mit der Investition geschieht.

Diesen Weg solltest du im Verlaufe der Investition auch immer wieder beobachten und anpassen.

Stimmen die Kosten deiner Investition? Erzielt sie die gewünschte Leistung für dein Unternehmen?

So bist du in der Lage, deine Planung jederzeit anzupassen und eventuelle Folgeentscheidungen, etwa Änderungen am Bestand oder der Arbeit, vorzunehmen.

Diese Fortsetzung deckt weitere wichtige Aspekte des Budgetierungsprozesses ab und zeigt, wie umfassend und dynamisch diese Aufgabe in der Unternehmensführung ist. 

So erstellst du eine Investitionsrechnung

Nachdem wir die Planung abgeschlossen haben, kommen wir zur Berechnung.

Anschaffungskosten

Zuerst haben wir die reinen Anschaffungskosten. Sie beinhalten den reinen Kaufpreis der Investition.

Alle folgenden Kosten bis zur Inbetriebnahme in deinem Unternehmen gehören aber auch zu den Anschaffungskosten.

Das können etwa Transportkosten sein, Montage oder Schulungen der Mitarbeiter.

Du rechnest praktisch für dich zusammen, welche Kosten insgesamt entstanden sind, bis der Betrieb der neuen Investition begonnen hat.

Man rechnet an dieser Stelle auch überschaubare Folgekosten aus dem Betrieb ein.

Das können Versicherungskosten oder Wartung sein.

Betriebskosten

Der zweite Bereich umfasst die sogenannten Betriebskosten. Das können etwa Energiekosten sein, Verbrauchsmaterial oder Reparaturen, die nicht in der Wartung enthalten sind.

Finanzierungskosten

Wenn du deine Investition finanzierst oder auch least, kommen auch hier Kosten auf das Unternehmen zu, solange das Gut Teil des Unternehmens ist.

Das können Zinsen sein oder Leasinggebühren.

Abschreibungen und Ihre Rolle bei Investitionen

Abschreibungen sind ein notwendiger Faktor im Bereich Anlagen und Investitionen, weshalb wir uns ihn hier mal näher anschauen.

Was genau sind Abschreibungen?

Der Fachbegriff für Abschreibungen nennt sich in der Buchführung und Buchhaltung kurz AfA und bedeutet Absetzung für Abnutzung.

Der Hintergrund dieser Bezeichnung und Funktion ist die Annahme, dass ein Gut einen gewissen Lebenszyklus hat.

Du kaufst eine Maschine jetzt im Jahr 2024. 2026 ist sie dann zwei Jahre im Einsatz gewesen.

Wie bei deinem Auto auch hast du eine Abnutzung bei deinem Gut. Es verliert an Wert, je älter es wird. Du hast technischen Verschleiß über die Nutzung, auch wenn die Wartungen immer durchgeführt werden.

Daneben gibt es natürlich auch den Fortschritt. Dein Gut verliert auch an Wert, weil ein Nachfolgemodell auf den Markt kommt.

Deswegen gibt es das Konzept der Abschreibung.

Man reduziert den Wert in den Unternehmensbüchern im Verlauf der Zeit realistisch immer weiter, bis später nur noch ein Restwert vorhanden ist.

Das bedeutet nicht, dass das Gut tatsächlich einen Wert von null hat, wenn seine Nutzungsdauer abgelaufen ist. Du musst es auch nicht entsorgen oder verkaufen, weil die Maschine in den Büchern nichts mehr wert ist.

Nur kann es nicht weiter abgeschrieben werden und bleibt bei seinem Wert in den Büchern stehen, bis es das Unternehmen verlässt.

Wie berechnen sich Abschreibungen?

Es gibt mehrere Arten und Herangehensweise von Abschreibungen.

Nutzungsdauer

Generell ist es so, dass man die Kosten in Verbindung mit der voraussichtlichen Nutzungsdauer bringt. Die Abschreibung bildet dann einen Wert, der pro Jahr vom Wert des Gutes abgebucht wird.

Die Nutzungsdauer wird oft gesetzlich vorgegeben und anhand von Mittelwerten errechnet.

An dieser Stelle sei auch noch gesagt, dass du im Bereich der Steuer bei Abschreibungen manchmal unterschiedlich anerkannte Nutzungsdauern für das Steuerrecht und das Handelsrecht hast.

Du musst also zwei verschiedene Abschreibungen für ein Gut führen. Eine für deine Steuerbilanz und eine für deine Handelsbilanz.

Das ist einer der Gründe, warum es zwei unterschiedliche Bilanzen desselben Jahres und Unternehmens geben kann, die sich rechnerisch unterscheiden.

Es gibt übrigens auch Güter ohne Nutzungsdauer, wie etwa Grundstücke. Diese können nicht abgeschrieben werden, da sie keinen betrieblichen Lebensweg haben. Die Gebäude darauf aber schon.

Die Art wird in drei vorhandenen Varianten ermittelt. Auch diese sind gesetzlich vorgegeben.

Lineare Abschreibung

Die lineare Abschreibung ist die gängigste und einfachste Variante. Sie verteilt die Abschreibung auf gleich große Teile pro Jahr. In einem Beispiel:

Du kaufst ein Gut zu Anschaffungskosten in Höhe von 100.000 € ein und willst es 10 Jahre in deinem Betrieb nutzen. Das Ziel ist der Wert 0 € und du verteilst die anteilige Abwertung auf 10 Jahre, somit hast du 10.000 € Abschreibung pro Jahr.

Degressive Abschreibung

Diese Methode war lange Zeit neben linearer Abschreibung die Hauptvorgehensweise, jedoch wurde sie aufgrund der härteren Methodik mittlerweile abgeschafft. Oder sie wird nur noch in Ausnahmefällen gewährt.

Sie geht davon aus, dass dein Gut nicht gleichmäßig über die Jahre an Wert verliert, sondern am Anfang sehr viel und danach immer weniger. Sie verteilt die Abschreibung also analog der voraussichtlichen Phasen des Verlustes an Wert.

Um bei unserem Beispiel zu bleiben. Sie sagt, dass die Maschine nicht 10.000 € pro Jahr verliert, sondern in den ersten beiden Jahren 20.000 € und danach weniger.

Da die Abschreibung Teil deiner Kosten ist, hast du durch die degressive Abschreibung einen deutlich andere Kostenstruktur.

Leistungsbedingte Abschreibung

Die dritte Variante tritt selten auf in Gebrauch und eher im industriellen Umfeld.

Sie orientiert sich an der tatsächlichen Nutzung und ermittelt den Wertverlust etwa an einer bestimmten Stückzahl.

Unsere Maschine aus dem Beispiel soll für ihre Kosten von 100.000 € 1.000.000 Stk. Teile produzieren. Das ergibt dann 0,10 € pro Teil leistungsbedingter Abschreibung.

Sonderabschreibung

Zu erwähnen ist noch die sogenannte Sonderabschreibung, die aber keine regelmäßige Abschreibung ist. Sie kommt zum Tragen, wenn du etwa einen kompletten Verlust der Maschine durch ein Unwetter hast und der Schaden nicht voll von der Versicherung gedeckt wird.

Es gibt aber andere mögliche Szenarien für Sonderabschreibungen, wie Forderungsverluste.

Da sie aber eine Sondermaßnahme ist, dient sie nur zur Anwendung in Ausnahmefällen.

Warum gibt es Abschreibungen?

Abschreibungen sind ein Konzept, das sowohl dem Staat als auch der Wirtschaft nutzen soll. Man schafft hier praktisch eine Win – Win – Situation.

Senkung der Steuerlast

Die jährlichen Abschreibungen sind Kosten, die deinen Gewinn mindern und damit auch die Last deiner gewinnbezogenen Steuern wie etwa der Gewerbesteuer pro Jahr.

Aber warum sollte der Staat dir ein Mittel geben, deine eigenen Steuern zu seinem Nachteil zu senken?

Tatsächliche Abbildung der betrieblichen Situation

Die Abschreibung regt die Unternehmen an, den Wert ihrer Anlagen durch die Abschreibung realistisch zu halten.

Sie haben also in ihren Zahlen keine zu hohen Zahlen, die durch den Wertverlust in der Realität gar nicht mehr so existieren können.

Neue Investition

Die Unternehmen werden dazu angeregt, neue Anlagen zu erwerben, wenn die alten abgelaufen sind.

Nicht nur um den Betrieb zu modernisieren, sondern auch um wieder abschreibungsfähige Güter in den Büchern zu haben.

Da der Staat am Kauf von neuen Gütern und dem Wirtschaftswachstum über die Besteuerung mitverdient, schafft er sich selbst damit neue Steuereinkünfte.

Praktische Tipps für Investitionen

Definiere klare Ziele

Lege fest, was du mit der Investition erreichen möchtest. Sei es Wachstum, Kostensenkung oder Effizienzsteigerung.

Erstelle einen detaillierten Investitionsplan

Dieser sollte Marktanalyse, Finanzprognosen und Risikobeurteilungen enthalten.

Berechne den Return on Investment (ROI) 

Diese Kennzahl hilft dir, die Rentabilität der Investition einzuschätzen.

Führen Sie eine Break-Even-Analyse durch

Ermittle, ab welchem Punkt sich die Investition rentiert.

Berücksichtige Steuern und Abschreibungen

Diese können erheblichen Einfluss auf die Rentabilität haben.

Plane verschiedene Szenarien 

Erstelle Best-Case-, Worst Case und realistische Szenarien.

Beachte versteckte Kosten 

Denke an laufende Kosten wie Wartung, Schulungen oder Lizenzgebühren.

Vergleiche Alternativen

Prüfe verschiedene Investitionsmöglichkeiten und deren Vor- und Nachteile.

Hol dir Expertenrat ein

Konsultiere bei Bedarf Finanzberater, Steuerexperten oder Branchenspezialisten.

Danke für deine Aufmerksamkeit bei der Serie Rechnungswesen für Anfänger.

Ich habe mit diesem Teil die relevanten Teile für Anfänger mit dir beleuchtet, was aber natürlich nicht heißt, dass dieses Element im Blog damit beendet sein muss.

Schreib mir gern, wenn du Fragen hast oder du dir andere Themen und Beiträge wünschst.

Ich habe immer ein offenes Ohr für deine Anregungen.

Viele Grüße

Florian

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