Donon Vogesen – Wandern auf dem Berg der gefrorenen Winde
Bonjour,
in diesem letzten Streifzug des ablaufenden Jahres 2024 besuchen wir einen besonderen Ort.
Einen Ort des Austausches, des Kampfes und der Mystik, der, wie ich finde, einen guten Abschluss für dieses erste Jahr in meinem Blog bildet.
Warum besuchen wir Donon?
Diese Reise nach Frankreich zu den Sehenswürdigkeiten der Vogesen folgte auf einen für uns sehr untypischen Anfang.
Wir schauten auf der Karte des Elsass und der umgebenden Gebiete und trafen schließlich auf einen See, der, wenn man ihn auf der Karte sieht, von oben wie ein verwinkeltes Blatt eines Baumes aussieht.
Es handelt sich dabei um den Lac de Pierre-Percée.
Gleich im ersten Moment sah der See spannend aus.
Irgendwo im Nirgendwo in Frankreich.
Er schien etwas zu verbergen, nicht nur durch seine ungewöhnliche Form.
Wir schauten also nach einem AirBNB und einer der Anbieter bewarb seine Unterkunft unter anderem mit einem Bild des Donon-Massivs und des Tempelberges.
Als wir das sahen, wussten wir sofort, dass wir dorthin mussten und das wir diesen Punkt der unteren Vogesen auf jeden Fall besuchen wollten.
Das Bild dieses historischen Ortes in Frankreich ist malerisch im Sommer bei Sonnenuntergang gehalten und weckt, denke ich, die Neugier von jedem, der es sieht.
Gesagt, getan.
Wir suchten uns eine passende Unterkunft und reisten in diese schöne und einladende Region der kulturellen Grenze von Elsass-Lothringen.
Wo genau liegt Donon im Elsass?
Der Donon liegt im Herzen des Donon-Massivs und bildet einen natürlichen Schnittpunkt zwischen drei Départements in der Region Grand Est:
Bas-Rhin (Niederrhein) im Elsass, sowie Vosges (Vogesen) und Meurthe-et-Moselle (Meurthe und Mosel) in Lothringen in Osten Frankreichs.
Diese Lage verleiht dem Berg seit jeher eine besondere Bedeutung, da er eine Verbindung zwischen den Regionen darstellt.
Bereits in der Antike war der Donon ein Knotenpunkt.
Er war ein keltischer Kultplatz und die Römer nutzten ihn als strategischen Übergang und bauten Straßen, die über den Berg führten.
Diese Wege verbanden das Rheintal im Osten mit den Ebenen Lothringens im Westen. Auch heute markiert der Berg eine geografische und kulturelle Grenze zwischen dem Elsass und Lothringen.
Die Gipfellage bietet zudem einen weiten Panoramablick über alle drei Départements.
An klaren Tagen reicht die Sicht vom Bruche-Tal bis zur Lorraine-Ebene.
Dies macht den Donon nicht nur zu einem beliebten Wanderziel, sondern auch zu einem Ort mit spiritueller und strategischer Bedeutung.
Reise zum Berg in den Vogesen
Am besten erreichst du das Donon-Massiv, wenn du mit deinem Auto zum Parkplatz am Donon fährst.
Dort ist nicht nur genug Stauraum zum Parken.
Du findest dort auch eine Karte der Umgebung und sanitäre Einrichtungen, was den Parkplatz als Ausgangspunkt der Reise ideal macht.
Bevor wir dich auf den Berg und zu seinen besonderen Eindrücken und Stimmungen mitnehmen, möchte ich noch eins erklären.
Diese Geschichte, die ich dir heute erzähle, handelt vom Tempel im Schnee und seine, wie ich finde, besondere Wirkung vor dem Hintergrund vom Schnee und Eis der Vogesen.
Wenn du ihn in einer anderen Jahreszeit besuchst, kann dein realer Eindruck natürlich ganz anders sein.
Auch wenn ich denke, dass er seine Einzigartigkeit immer behält und er immer die Reise wert ist.
Die ersten Schritte am heiligen Berg Donon
Vom Parkplatz Col du Donon an den Holzhäusern vorbei gibt es mehrere historische Wanderwege, die auf oder um den Gipfel des Petit Donon führen.
Wir wählen den breiten Weg in der Mitte, auch wenn dieser gleich mit einem steilen Anstieg auf sich aufmerksam macht.
Die Bäume und Ränder des Weges sind schneebedeckt und während wir die ersten Schritte gehen, schimmert die Rot-Bräune des lehmigen Bodens unter dem Schnee hervor.
Gleich am Anfang sind wir dankbar für unser gutes Schuhwerk.
Der Winkel ist steil, als würde dieser Pfad gleich direkt bis zur Spitze führen.
Wir gehen also vorsichtig Schritt für Schritt aufwärts, während wir Reihen von tief verschneiten Nadelbäumen des Elsasses im Winter passieren.
Es liegt eine seltsame natürliche Energie über diesem Ort, die schon hier unten auf den ersten Metern spürbar wird.
Alles wirkt leise, als würden die Geräusche der Welt vor dem Aufgang des Massiv aufhören.
Selbst die Vögel, die manchmal an uns vorbeifliegen, scheinen sich fast lautlos zu bewegen.
Man vernimmt nur ein Rascheln, wenn sie in der Ladung in die Wipfel der Bäume eintauchen.
Auch sonst vernimmt man nur das Rascheln der eigenen Stiefel im Schnee und das leise Geräusch des eigenen Atems.
Je höher man kommt, desto klarer und frischer wird die Luft.
Du hast das Gefühl, als würde diese Luft aus entlegener Zeit vor Fabriken und Industrie stammen, so klar und frisch streift sie durch die Lungen.
Aber es ist auch kühl und du merkst mit jedem Schritt nach oben auf dem Pfad durch dichten Wald, dass es kühler wird.
Schon auf dem ersten kleinen Zwischenplateau ist aus den umher liegenden Schneeresten und dem Matsch eine geschlossene und gefrorene Schneedecke geworden, die nur von den Löchern stapfender Füße auf dem Waldweg unterbrochen wird.
Der halbe Rundweg und die Zeugen der Geschichte
An dieser größeren Gabelung halten wir uns rechts auf einem Pfad durch den dichten Wald, der sehr viel Entspannung verspricht.
Der Weg ist nicht mehr so steil, sondern verflacht etwas und verläuft gerade als ein Forstweg an der Flanke des Berges entlang.
Zwischendurch beschlichen mich leise Zweifel, wie man so den Berg erklimmen sollte, wenn es nur flach geradeaus, aber nicht mehr aufwärts geht.
Aber das Flache hat auch seine schönen Seiten.
Man navigiert im Slalom zwischen umgestürzten Bäumen und ausladenden Sträuchern hindurch und passiert sogar Baumfluchten, die das Ganze zu einer Abenteuertour machen.
Unterwegs schweifen meine Gedanken ab und ich denke an die reiche Geschichte dieses Ortes.
In beiden Weltkriegen war dieser Ort ein Schauplatz französischer und deutscher Geschichte.
Ein Ort des Kampfes
Deutsche und Franzosen kämpften um diesen Berg, um seine strategische Lage und die Fernsicht vom Gipfel des Donon-Massivs.
Ich versetze mich für einen Moment in diese Zeit zurück und stelle mir vor, wie ich als Soldat hinter einem der vielen Bäume und Felsvorsprünge liege und das nächste Gefecht abwarte.
Oder wie ich mich bei der Resistance im Zweiten Weltkrieg als Widerstandskämpfer vor den anrückenden deutschen Besatzern verstecke.
Man kann kaum glauben, dass an diesem friedlichen Ort, der solch eine Gelassenheit, solch eine Ruhe ausstrahlt und an dem man sich gefühlt im Einklang mit der Natur befindet, Kämpfe um Leben und Tod stattfanden.
Das scheint nicht im Mindesten zu diesem Ort zu passen, ja gar nicht hierherzugehören.
Denn hier hat man das Gefühl, sich mit jedem Schritt aufwärts weiter vom Alltag und seinen Routinen, Sorgen und Gedanken zu entfernen.
Im gesamten Gebiet bemerkt man beim Wandern auch immer wieder Markierungen und Schriftzeichen.
Nach den Kämpfen des Ersten Weltkrieges beauftragte der deutsche Kommandant einen seiner Soldaten, einen Steinmetz, diese Makierungen auf dem sogenannten Pfad der Stelen als Mahnmal für die gefallenen französischen und deutschen Soldaten anzubringen.
So sind Sie eine Ehrung für die Gefallenen, egal welchem Banner sie gefolgt waren.
Der Schnee wird mit jedem Schritt tiefer und die Kälte, die sich um die Füße herum langsam in die Kleidung schleicht, holt uns in die Wirklichkeit zurück.
Der Ort der Station und der Versammlung der Figuren
Mittlerweile sind wir schon eine geraume Zeit geradeaus gegangen, bei weiterhin nur minimaler Steigung, als uns der Weg über eine steilere felsige Passage auf ein großes Plateau führt.
Das Erste, was hier gleich ins Auge fällt, ist ein Funkturm und einige kleinere Gebäude sowie ein Kreis mit Steinen, auf den wir jetzt unsere Aufmerksamkeit lenken.
Unterwegs gestatten wir uns einen Rundumblick über das Plateau, vom Gipfel selbst ist aber noch nichts zu sehen.
Die Recherche bringt mittlerweile hervor, dass die Station im Kalten Krieg als Radarstation Teil der amerikanischen Luftverteidigung war, aber schon vor Jahren stillgelegt wurde.
Wir erreichen die in einer Reihe angeordneten Steine, deren Herkunft und Aussage nicht genau belegt sind.
Ich selbst denke bei der Betrachtung der Steine, ihrer Anordnung und mit dem Blick in die Gesichter der Figuren an einen Versammlungsort.
Womöglich war es das auch oder ist es heute.
Diese Bildnisse sind die Zeugen bedeutender Ereignisse, schöner Feste und damit auch des Lebens selbst, finde ich.
Der Tempelberg von Donon
Wir wenden uns um und machen uns bereit für die letzten Meter zum Ziel unserer Reise auf dem steinigen Weg zum Donon und seinem höchsten Punkt.
Der Weg ist jetzt etwas schwerer, aber es ist nicht mehr weit.
Es sind zwar so etwas wie Stufen vorhanden, diese sind aber lang und streckenweise hoch, was den Aufstieg zu einer Anstrengung macht, die man mit Vorsicht angehen sollte.
Der Weg führt uns seitlich in einer Schleife am Berg entlang, sodass wir uns oberhalb unseres letzten Weges befinden und die ersten Eindrücke der Aussicht auf die umliegenden grünen und dicht bewaldeten Berge der Provinzen Elsass und Lothringen erhalten.
Das Tempo verlangsamt sich weiter, da der Weg, der mittlerweile eher einem Pfad gleicht, immer enger und steiler wird.
Wenn wir uns dann aber nach rechts oben wenden, taucht der dunkle Stein des Gebäudes auf dem Gipfel des Donon rechts über uns auf.
Wir überwinden die letzten Meter und stehen auf dem Plateau des Tempels, der sich rechts von uns zum Horizont erhebt, als sollte er den wichtigen Blick genau in diese Richtung fordern.
Das Plateau ist groß und zu beiden Seiten nahezu eben.
Es verläuft ein Weg vom Donon-Tempel auf die andere Seite, die Ränder des Plateaus dicht bewachsen von Tannen und anderen Nadelbäumen.
Beherrscht wird der Eindruck des gesamten Bereiches aber sofort durch den Tempel, dem wir uns nach rechts zuwenden.
Er steht viereckig da, im fahlen Licht der Sonne, umgeben von Schnee auf 1009 Metern Höhe.
Der Stein sieht grauschwarz aus, aber selbst diese Dunkelheit seines Äußeren erzeugt durch das Eis, das ihn bedeckt, ein Funkeln, sodass er auf mich wirkt, als wäre er direkt aus dem Stein des Berges gewachsen.
Meine Eindrücke und Gedanken beim Tempel von Donon
Ich zögere einen Moment und versetze mich zurück in die Geschichte dieses Ortes.
Nach archäologischen Studien war er schon zu früher Zeit der Ort eines Kultes der Kelten, bevor die Römer dem Gott Merkur hier einen neuen gallo-römischen Tempel errichteten.
Er verlor mit der Christianisierung seine Bedeutung und verfiel über die Zeiten.
Bis er in seiner jetzigen Form im Jahre 1869 während des zweiten französischen Kaiserreiches als Teil der Napoleon III. Architektur wiedererrichtet wurde. Gedacht als Symbol für Kultur und Geschichte.
Ja, ein Symbol. Und doch ist er sehr viel mehr.
Ich kann verstehen, dass man an diesem Ort trotz seiner schweren Erreichbarkeit einen Tempel und Versammlungsort errichtet hat.
Er ist besonders.
Das fühlt man schon, wenn man sich umsieht, mit der fantastischen Aussicht in alle Richtungen bis zu den entfernten Tälern über die dichten Wälder der benachbarten Berge.
Wenn man dem Wind zuhört und die frische, klare Luft tief einatmet.
Ich habe den Titel dieses Artikels bewusst so gewählt, denn er beschreibt, was man hier empfindet.
Jetzt im Winter wirkt der ganze Bereich eingefroren, als stünde die Zeit hier still.
Als wäre dieser Ort eine Oase der Ruhe in der Zeit.
Fernab von allen Routinen, allem Stress und der Schnelllebigkeit.
Wenn du einen Ort suchst, der dich aus deinem Leben entführt und dich in einem Moment hält, wo du einfach nur genießen, atmen und zu dir selbst finden kannst, ist Donon perfekt für dich.
Ich habe mir während meines Aufenthaltes mehrere dieser Momente genommen.
In manchen habe ich über verschiedenste Dinge in meinem Leben nachgedacht, in anderen habe ich gar nichts gedacht und einfach nur genossen.
Dieser Ort war perfekt für mich, um die Ruhe des Winters zu genießen.
Die Römer weihten diesen Ort dem Gott Merkur, und es ist natürlich tatsächlich “nur” die Nachahmung eines antiken Tempels.
Für mich spielte das aber keine Rolle, denn sein besonderer Eindruck und auch seine Bedeutung bleiben durch dieses immerhin schon über 150 Jahre alte Symbol im Nachbau für mich erhalten.
Das Gipfelplateau von Donon
Der Tempel ist komplett begehbar und bildet mit seinem Baustil und den vielen interessanten Ausblicken in alle Richtungen außerdem eine malerische Atmosphäre.
Auf der Vorderseite wartete auf mich wieder Vorsicht, da die Bereiche komplett vereist waren.
Aber der Blick rechts abwärts zum Col entre les deux Donon ist die Aussicht wert.
Allgemein bitte ich dich um Vorsicht, wenn du Donon an der Grenze der Kulturen von Elsass und Lothringen wie ich im Winter besuchen möchtest.
Der Ort wird nicht geräumt oder gestreut, was für die Atmosphäre perfekt ist.
Aber man sollte genau aufpassen, wohin man tritt.
Wenn du den Tempel vorbei zu einem weiteren Aussichtspunkt und auf die andere Seite des Felsplateaus trittst, ziehen sich immer tiefere Furchen in den Boden, die in tiefen Gräben münden.
Auch hier sehen wir damit Spuren der Kämpfe der Weltkriege um diesen auch wegen seiner Aussicht strategisch wichtigen Punkt in Frankreichs Osten.
Neben vielen anderen stummen Zeugen der Auseinandersetzungen der Vergangenheit mögen auch diese als Mahnmal für eine bessere Zukunft dienen.
Aber an diesem Punkt der Nordvogesen kannst du an klaren Tagen die Rheinebene und andere Massif des Vosges betrachten.
Ich danke dir für deine leserische und gedankliche Begleitung bei unserem winterlichen Rundweg auf den heiligen Berg von Petit Donon.
Die Winterwanderung am “Chemin et Col entre les deux Donons” war eine interessante und spannende Erfahrung.
Angenehmes Reisen und viele Entdeckungen
wünscht dir
Florian
Schau dich um und folge mir
Meine Social Media Präsenz, mein ebook und Interessantes zu mir
Quellenangaben
(1) https://www.my-weekend-in-alsace.com/
(2) https://www.tourisme-alsace.com/
(3) https://www.histoire-france.com/
(4) https://www.vosges-nature.com/
(5) https://park4night.com/