Colmar – Die besondere Verbindung bei der Schwester der Freiheit
Hier die Hörversion und der Beitrag auf YouTube.
Bonjour,
ich freue mich, dass du zu einem weiteren Stück in Florians Reisemosaik dazu kommst.
Unser Weg führt uns heute über den Rhein nach Westen in unser Nachbarland Frankreich, in die Europaregion Elsass, zur Stadt Colmar.
Ich habe Colmar schon mehrere Male über verschiedene Jahre besucht und möchte es dir heute zeigen und davon erzählen.
Komm mit und entfliehe dem Alltag in das Land des Weins und Parfüms, zu den leiseren Orten und einer Welt, die du nicht jeden Tag sehen kannst.
Aber insgesamt ist es, glaube ich, bei mir genau das. Dieses Wandeln in der Geschichte, mit kleinen Einblicken und schönen Motiven an jeder Ecke abseits der größeren und lauteren Städte wie Straßburg.
Sehenswertes in Colmar und Einblicke in die Geschichte
Natürlich kann ich aufgrund der Vielzahl der Möglichkeiten bei unserer Tour, unserem Citytrip, nur auf die für mich bei meinen Streifzügen besonderen Punkte eingehen.



Die Lage und Bedeutung
Colmar liegt im Elsass in der Region Grand Est der Republik Frankreich am Zusammenfluss von Ill und Lauch.
Die Stadt ist nach Straßburg und Mülhausen die drittgrößte Stadt des Elsass und bezeichnet sich auch selbst gern als die Hauptstadt des Elsässer-Weines.
Ein bedeutender Aspekt in Colmar ist natürlich der Tourismus, aber daneben haben große internationale Unternehmen hier ihren Sitz und Colmar unterhält eigene Institute an der Universität Mülhausen-Colmar, sodass es hier auch Studienmöglichkeiten gibt.
Colmar beherbergt einen Flughafen von regionaler Bedeutung, liegt aber auch nicht weit entfernt von den internationalen Flughäfen Basel-Mülhausen und Straßburg.
Die Stadt gehört auch zu einem partnerschaftlichen Kreis von vier Städten, gemeinsam mit Lucca (Italien), Sint-Niklaas (Belgien) und Schongau (Deutschland).
Die besondere Verbindung …

Der Elsass nimmt nach meiner Meinung eine besondere Stelle im Zentrum Europas ein. Nicht nur wegen seiner Kultur, seines Weins und seines Essens.
Er hat auch einen ganz eigenen Charakter, den er sich nach meiner Meinung trotz der Umwälzungen der Geschichte in gewissem Maße immer bewahrt hat.
Im Verlaufe der Geschichte seit der Teilung nach dem Tod Karls des Großen im 9. Jahrhundert, vor allem aber im Mittelalter, war der Elsass immer wieder der Zankapfel zwischen Franzosen und Deutschen.
Gewann die eine Seite einen Krieg oder handelte es in einem Vertrag aus, kam der Elsass dorthin. Ging das Fähnchen des Krieges in Richtung der anderen Seite, wechselte die Oberhoheit wieder den Besitzer. Das Ganze endete erst mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Aber mit diesen gewonnen und wieder verlorenen Besitzungen kamen immer wieder Siedler oder Menschen prägten die Region, wodurch sie zu einem Mix aus französischer und deutscher Einflussnahme wurde und damit eine ganz eigene Prägung hat.
Als kleine Anekdote
Man fährt von der A5 in Deutschland ab und von Breisach über die Rheinbrücken nach Marckolsheim.
Wer die beiden Städte nicht kennt, würde sich denken. Gut, man fährt eben von einer deutschen Stadt zur anderen. Das ist aber nicht der Fall, sondern Marckolsheim liegt auf der Westseite in Frankreich.
Vor allem die Endung „Heim“ für Haus taucht immer wieder in der Region auf. Der nächste Ort hat einen französischen Namen und so weiter.
Die Straßen haben fast alle französische Bezeichnungen am Anfang wie Rue oder Boulevard. Aber es gibt sehr viele Straßen, die deutsche Wörter danach verwenden.
Das kommt durch die Namen der Menschen. Wenn man sich wie in Colmar die Liste der berühmtesten Köpfe der Stadt durchliest, sind das sowohl klassisch deutsche als auch französische Namen.
Manchmal ist selbst das verbunden, z. B. französischer Vorname, deutscher Nachname.
Es freut mich daher immer wieder, dass der französische Staat die Region zur Europaregion erklärt hat und damit durch die Zusammenarbeit und die Projekte die Verbundenheit hier im Zentrum Europas demonstriert und aktiv und offiziell unterstützt.
Deswegen steht Colmar wie auch die anderen Bereiche des Elsasses für mich für eine nicht nur historische, sondern auch aktuelle Verbindung zwischen Franzosen und Deutschen und gewährt vielleicht auch einen kleinen Ausblick auf die zukünftige Vision des geeinten Europas.
… bei der Schwester der Freiheit
Wo wir gerade bei den bedeutendsten Köpfen der Stadt sind.



Wenn man sich von Norden auf die Stadt zubewegt, kommt man an einen großen Kreisel.
Im ersten Moment geht man vielleicht noch seinen Gedanken nach, aber mir fiel die große Statue auf dem Kreisel direkt auf.
Da steht eine 12 m hohe Statue, eine Kopie der Freiheitsstatue von New York, am Eingang von Colmar und begrüßt die ankommenden Menschen.
Was hat es damit auf sich?

Die Statue wurde 2004 errichtet, um den 100. Todestag von Auguste Bartholdi zu ehren, dem Bildhauer, der die originale Freiheitsstatue in New York entworfen hat.
Bartholdi wurde 1834 in Colmar geboren, weshalb die Stadt eine enge Verbindung zu seinem bekanntesten Werk hat.
Sie ist eine Hommage an Bartholdis bedeutenden Beitrag zur Kunst und symbolisiert, ähnlich wie die Statue in New York, Freiheit und Aufklärung.
Deswegen bekam sie von mir den kleinen Beinamen „Die Schwester der Freiheit“.
Interessanterweise ist die Nachbildung in Colmar aus Kunststoff gefertigt, im Gegensatz zum Kupfer der originalen Freiheitsstatue.
Während die Kopie in Colmar kleiner ist, bleibt sie ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt und eine Erinnerung an Bartholdis künstlerisches Erbe.
Wenn du also Lust auf die Freiheitsstatue hast, findest du die kleine Schwester auch hier in Europa.
Der Bahnhof – La Gare de Colmar
Gleich gegenüber dem Schriftzug, sowie gegenüber dem Hotel Bristol, auf dem Bahnhofsplatz steht der Bahnhof von Colmar („Gare de Colmar“).

Der Uhrturm ist eines der markantesten Elemente und gibt dem Bahnhof ein besonderes Aussehen.
Er wurde zwischen 1905 und 1907 erbaut, als das Elsass gerade Teil des Deutschen Kaiserreichs war, weshalb seine Architektur typisch für den wilhelminischen Stil ist.
Heute ist der Bahnhof modernisiert und ein zentraler Anlaufpunkt für Reisende, die Colmar besuchen möchten.
Von hier aus gibt es Verbindungen zu größeren Städten wie Straßburg, Basel und Paris, da Colmar auch an das Hochgeschwindigkeitsnetz (TGV) angeschlossen ist.

Neben seiner Funktion als Verkehrsknotenpunkt ist der Bahnhof von Colmar auch ein architektonisches Wahrzeichen der Stadt, das die wechselvolle Geschichte der Region widerspiegelt.
La Maison Pfister
Wenn du durch die Altstadt schlenderst, triffst du in ihrem Herzen auf La Maison Pfister oder auch das Pfisterhaus ins Deutsche übersetzt.



Wie man, wie ich finde, deutlich sieht, ist es zu Recht eines der bekanntesten und eindrucksvollsten Gebäude in Colmar.
Das Haus ist ein herausragendes Beispiel für die Renaissance-Architektur im Elsass, obwohl es auch gotische Elemente aufweist.
Es wurde 1537 erbaut, ist benannt nach Ludwig Pfister, einem Hutmacher, der das Haus 1841 kaufte und dessen Name seither mit dem Gebäude verbunden ist.
Also stand das Haus bereits über 300 Jahre, bevor es seinen heutigen Namen bekam.
Das finde ich spannend.

Das Gebäude diente ursprünglich als Wohnhaus für den wohlhabenden Tuchhändler Ludwig Scherer, der sich durch den Gewürzhandel Reichtum erarbeitet hatte.
Die reich verzierte Fassade, auf der bemalte Szenen aus der Bibel, heilige und allegorische Figuren zu sehen sind, verleiht dem Gebäude nach meiner Meinung einen wertvollen Touch.
Dabei empfand ich den hölzernen, turmartigen Erker, der über mehrere Stockwerke reicht und dem Haus seinen unverwechselbaren Charakter verleiht, als besonders interessant.
Es hat auch einen Eckbalkon und ein markantes Schieferdach.

Heute ist das Maison Pfister ein Wahrzeichen der Stadt und eine Anlaufstelle für Touristen, die den historischen Flair von Colmar genießen wollen.
Obwohl das Gebäude leider privat bewohnt ist und nicht besichtigt werden kann, kannst du seine kunstvolle Architektur und die Geschichte, die es repräsentiert, von außen betrachten.
Außerdem gibt es im Erdgeschoss einen Laden, in dem man auch einen Eindruck vom Inneren des Gebäudes sammeln kann.
Ich habe es mir intensiv angeschaut. Es ist empfehlenswert für jeden Motivsuchenden.
Sie ist ein nach meinem Eindruck sehr lebendiger Ort, an dem lokale Erzeuger ihre frischen und leckeren Waren anbieten.
Hier findet man alles, was das Herz begehrt: von elsässischen Spezialitäten wie Flammkuchen, Sauerkraut und Munsterkäse hin zu frischem Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Wein aus der Region.

Die Atmosphäre ist besonders authentisch, und man kann die Gastfreundschaft und den Charme des Elsass in vollen Zügen genießen.
Das historische Gebäude befindet sich in der Altstadt von Colmar, unweit des berühmten Viertels „Petite Venise“ (Klein-Venedig).
Neben den Ständen mit Lebensmitteln gibt es auch Cafés und kleine Bistros, wo man eine Pause einlegen und regionale Köstlichkeiten probieren kann.
Streifzüge in Klein Venedig – Petite Venise
Auch sehr empfehlenswert ist der Teil der Altstadt, der Klein Venedig genannt wird.
Ich will da gar keine Vergleiche zum großen Venedig ziehen. Aber dieser Bereich hat einen besonderen Charme, wie ich finde.
Du spazierst an Kanälen entlang durch Gassen, vorbei an schönen und instand gehaltenen alten Häusern und kannst dich einen Moment zurückversetzen lassen in die Vergangenheit der mittelalterlichen Handelsstädte.
Nimm dir Zeit für die Altstadt von Colmar, ich kann dir alles Angesprochene nur empfehlen.
Die Dominikanerkirche

Wenn wir in der Altstadt unterwegs sind, treffen wir seitlich auf ein, wie ich finde, prachtvolles Bauwerk, die Dominikanerkirche.
Sie wurde im 13. Jahrhundert von den Dominikanern erbaut, einem Bettelorden, der sich der Predigt und der Lehre verschrieben hatte.
Ihre schlichte, aber beeindruckende Bauweise spiegelte die asketischen Ideale des Ordens wider.
Wenn man in die Kirche tritt, fällt einem gleich der hohe Innenraum und die bemalten Fenster auf. Wie auch bei einigen anderen Kirchen ergreift mich da oft das Gefühl, winzig zu sein.
Besonders berühmt ist die Kirche aber indessen für die Unterbringung eines der bedeutendsten Kunstwerke des Mittelalters: der „Madonna im Rosenhag“ von Martin Schongauer, einem der bekanntesten Maler und Kupferstecher des 15. Jahrhunderts.

Man sieht in diesem Altarbild die Jungfrau Maria mit dem Christuskind, umgeben von einem reichen vergoldeten Rosenkranz.
Diese Pracht fällt nach meiner Meinung noch mehr auf, da die Kirche selbst analog den Vorstellungen des erbauenden Ordens eher schlichter gehalten wurde.
Einst war die Kirche auch Teil eines Klosters, von dem heute nur noch wenige Überreste zu sehen sind.
Der Parc du Champ – de – Mars



Wenn du dich vom Treiben in der Altstadt etwas erholen möchtest, kann ich dir den Parc du Champ-de-Mars sehr empfehlen.
Er verfügt nicht nur über einen schönen Musikpavillon, sondern wie ich finde auch über einen eindrucksvollen Brunnen mit der Statue von Jean-Baptiste Kleber, einem elsässischen Offizier der Französischen Revolution, der auf Napoleons Ägyptenfeldzug fiel.
Ich empfinde den Park als wunderschön, man kann dort in Ruhe spazieren gehen und einfach nur seinen Gedanken nachhängen oder sich auf eine der weit verteilten Bänke setzen und das unweit des Zentrums und der Altstadt.

Ein Stückchen Geschichte und Natur in der Stadt.
Tipps für deine Reise
Hier noch ein paar persönliche und kulinarische Tipps für dich und deine Städtereise in die Stadt an der Lauch.



La Terasse du Marché
Was ich dir besonders empfehlen kann, ist das Restaurant la Terasse du Marché in Colmar. Es befindet sich direkt bei der schon von uns besuchten Markthalle. Wenn du aus der Halle seitlich heraustrittst, kommst du auf die Terrasse, die direkt an der Lauch liegt.
Du kannst hier in Gesellschaft der Schwäne und der langsam fließenden Lauch bequem einen wirklich guten Kaffee genießen.
Sehr zu empfehlen.
Maison du Monde
Wer öfter in Frankreich war, kennt Maison du Monde.
Es handelt sich um ein Unternehmen mit einer Kette für Einrichtungsgegenstände. Hier gibt es also Geschirr, kleine Möbel und ähnliche Dinge.
Weshalb ich es extra erwähne, ist aufgrund der Lage und der Einrichtung des Ladens in Colmar.
Die Leute sind dort sehr freundlich und der Laden ist auch wirklich schön eingerichtet.
Wir haben uns dort Teller und Tassen gekauft, die bei uns ständig im Einsatz sind. Hier bekommt man wirklich eine super Qualität zum fairen Preis. Natürlich auch online.
Sehr zu empfehlen.
Conserverie La Belle-Iloise
Wenn du durch die Altstadt gehst, kommst du auch an diesem Laden vorbei.

Im ersten Moment sieht es nicht so spannend aus, denn der Laden enthält Konserven. Keine Frischware.
Die Konserven sind auch durchaus etwas höher im Preis, als man normal für Fisch zahlt.
Aber aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt absolut.
Der Fisch ist von ausgezeichneter Qualität und sehr lecker. Und es gibt dort mehrere Sets mit verschiedenen Fischsorten und Arrangements.
Gern mal probieren, wer gern Fisch mag.
Hotels
In Colmar selbst gibt es auch viele schöne und interessante Hotels, vom Budgetpreis bis zur Luxusklasse.
Diese sind zum Teil auch in historischen Gebäuden untergebracht, wie auch unseres, auf das ich gleich zu sprechen komme.
Wer sich für die Umgebung interessiert, finde im Elsass nahezu immer schöne Hotels zu fairen Preisen.
Grand Hotel Bristol

Wir haben unseren Aufenthalt im Grand Hotel Bristol genossen, direkt gegenüber dem Bahnhof.
Dieses Hotel kann ich gern empfehlen. Das Gebäude ist historisch, aber in sehr gutem Zustand.
Die Zimmer sind, wie gewohnt bei älteren Gebäuden, klein, aber fein, ordentlich und sauber gehalten.
Das Personal war höflich und zuvorkommend, selbst als wir nach der Schließung des Empfangs für die Nacht noch rein wollten.
Auch das Frühstück war lecker und mit lokalen Produkten gehalten, garniert mit gutem Service.
Also auch hier gern eine Empfehlung von mir, wenn du eine gute Unterkunft suchst.
Danke für deine Aufmerksamkeit und Begleitung bei unserer Tour bei der Schwester der Freiheit.
Angenehmes Reisen und viele Entdeckungen
wünscht dir
Florian
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